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Gesellschaft für Kulturpsychologie e.V.

Gemeinnütziger Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie und kulturvergleichenden Psychologie in Forschung und Lehre.

Informationen zur Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie in Erlangen 2011


Die Gesellschaft für Kulturpsychologie hat von 11.-14. September 2011 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit dem dortigen Zentralinstitut »Anthropologie der Religion(en)« eine Tagung zu folgendem Thema abgehalten:

Anthropologie und Kulturpsychologie der Religion(en). Hermeneutiken - Praktiken - Lebensfelder.

Sie finden dazu auf dieser Seite folgende Informationen:


Zum Tagungsthema:

Die Bedeutung von Religionen für die Alltagspraxis, für das Selbst- und Weltverständnis von Individuen und Gruppen und deren dynamische Beziehungen ist ein wichtiges Thema der zeitgenössischen Psychologie, speziell der interdisziplinär orientierten Kulturpsychologie. Ungeachtet dessen fristet die zeitgenössische Religionspsychologie – trotz bemerkenswerter Entwicklungen vor allem in jüngster Zeit – noch immer ein Schattendasein. Die Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie wollte zur Erneuerung der Religionspsychologie beitragen. Sie richtete den Blick dabei auf aktuelle Fragen des vielfältigen religiösen Lebens in modernen Gesellschaften und fokussiert genuin psychologische Fragen.

Dazu gehören zum Beispiel kulturelle Vorstellungen von Transzendenz und deren Relevanz für die soziale und individuelle Lebensführung; der Aspekt der (kognitiven) Entlastungsfunktion von Religionen sowie andere (›positive‹ und ›negative‹, ›produktive‹ und ›destruktive‹, ›salutogene‹ und ›pathogene‹ etc.) Funktionen religiösen Glaubens; die Bedeutung des Glaubens wie der religiösen Praxis und Gemeinschaft für die Identitätsbildung sowie bspw. soziale und subjektiv-funktionale Aspekte religiöser Rituale.

Neben empirischen Fragen wurde auf der Tagung ein Forum für theoretische Fragestellungen der zeitgenössischen Religionspsychologie geboten. Gerade Repräsentanten der internationalen Kulturpsychologie haben in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten bedeutende Beiträge zur Ausdifferenzierung der religionspsychologischen Forschung, Theorie- und Methodenentwicklung vorgelegt. Dennoch sind Fragen offen geblieben, die anlässlich der Tagung erneut diskutiert wurden. So blieb speziell nach dem Verhältnis von religiösem und kulturellem Handeln ebenso zu fragen wie nach dem Verhältnis von Kultur und Religion im Allgemeinen.

Die Vorträge der Tagung entfielen auf die beiden Bereiche ›Kulturpsychologie‹ und ›Anthropologie‹, wobei sich die Trennung nicht als durchhaltbar erwies. Viele der angesprochenen Themen waren für beide Seiten anregend und fruchtbar, wobei sich auch zeigt, dass in der kulturpsychologischen Forschung von Anfang an die anthropologische Forschung einen hohen Stellenwert einnimmt. Kulturpsychologische Vorträge umfassten Themen wie Obdachlosigkeit (Fitzek et al.), Identitätskonstruktionen in religiösen Sekten (Freund), Kommunikation (Rothe) und interkulturelle Kommunikation (Arnold), psychoanalytische Kulturtheorie heute (Sandner), neue religiöse Bewegungen (Ehmann), die Funktion des Religiösen im politischen Alltag (Allesch), Kulturpsychologie im modernen China (Gild), kulturpsychologische Entwicklungstheorien der Religion (Allolio-Näcke) sowie die Frage nach der Kulturpsychologie im bzw. nach dem Zeitalter des Pluralismus (Jovanovic). Ins Gespräch wurden diese Positionen gebracht mit Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Ethnologie, (Religions-)Pädagogik, Archäologie und Kunstgeschichte sowie der Religionswissenschaft.

Insgesamt nahmen 64 Teilnehmerinnen an der Tagung teil, 28 davon hielten eigene Vorträge, wovon drei Präsentationen aus Tallin (Estland), Belgrad (Serbien) und Ahar (Iran) kamen – die zwei österreichischen sollten auch hier erwähnt werden. Zwei weitere Präsentationen aus den USA und dem Iran mussten aus diversen Gründen kurzfristig entfallen ebenso ein Hauptvortrag aus Krankheitsgründen. Hervorzuheben ist die zahlreiche Teilnahme von Nachwuchswissenschaftlern, die an ihren Doktorarbeiten oder Habilitationen arbeiten.



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